Oh nein, sie haben WarCraft III getötet!
Nun ist es also so weit, WarCraft III wird langsam aber sicher zu Grabe getragen. Das einzig erwähnenswerte RTS-Spiel im E-Sportbereich will einfach keiner mehr sehen, es ist langweilig geworden und zieht keine Fans mehr an… Moment?
Für den Abgesang auf das Spiel sind sicher mehrere Gründe vorhanden, der Beste hat jedoch nichts mit sinkender Begeisterung irgendwelcher Fans zu tun, nein: Vielen Teams ist schlicht und einfach das Geld ausgegangen, um ein komplettes Team zu finanzieren.
Die Gründe dafür liegen allerdings nicht ausschließlich unter dem Finanzparkett begraben, welches unseren Lieblingsclans nach der Finanzkrise offensichtlich nicht mehr genügend Geld zuschießen kann.
Jahrelang galt im WarCraft III-Geschäft das Recht des Stärkeren, sprich: Das Recht desjenigen, der mit mehr Geld winken konnte als die Konkurrenten. Die finanziellen Mittel, die sich das jeweilige Management bei den Sponsoren abgeholt hat, wurden meistens ohne Umschweife in neue Spieler investiert. Clans wie MYM wurden mittlerweile genug gescholten (zu Recht), so einfach ist die Rechnung allerdings nicht. Auch zahlreiche internationale und deutsche Clans mit weniger Finanzmitteln als der Großkönig aus Dänemark haben diese Entwicklung gerne mitgetragen und angekurbelt.
Jahrelang haben die Führungsetagen ihren Teammanagern Geld in die Hand gedrückt, damit sie schlagkräftige Teams aufbauen. Dass sie sich dabei auf teilweise mäßig erfahrene Hobbyspieler verlassen haben, denen nicht einmal ein halbwegs brauchbares Konzept an die Hand gegeben wurde, war ihnen wohl nie wirklich bewusst.
Spieler zu verpflichten und zu bezahlen, von denen man gerade einmal über den Namen und die Kontonummer informiert war, war keine Ausnahme. Ohne sich auch nur einen geringsten Eindruck über den zukünftigen Wert der jeweiligen Spieler zu machen wurde gnadenlos gekauft, nach einem einfach unschlagbaren Auswahlprinzip: Wer in einer Tabelle weit oben steht, ist gut für mein Team. Dieses Prinzip fand vor allem in Deutschland natürlich rege Anwendung, denn die Spieler, die am besten ins Claneigene Konzept passen, findet man natürlich in der Esl Pro Series… oder eine Etage darunter in der Amateur Series. Ein längeres persönliches Gespräch mit dem jeweiligen Spieler war nicht nötig, man musste ihn ja nur noch zu einer Zusage überreden.
Die große Menge an Teams, die bereit waren, auf diese Weise ihr Geld auszugeben, sorgte dafür, dass selbst mittelmäßige Spieler, die außer einem in der Szene schlechten Ruf vielleicht mal in einem einzigen Turnier aufgefallen sind, mit ungläubigem Staunen in Echtzeit verfolgen konnten, wie ihr Marktwert stieg. Spieler, die ihr Können in Augen der Clanführungen ausreichend unter Beweis gestellt hatten, wurden nur kurze Zeit nach dem Eintritt in ein neues Team wieder von allen Seiten mit noch größeren Summen bombardiert, um sie aus ihrem aktuellen Arbeitsverhältnis zu locken. Da die Anbahnung und Abwicklung eines Spielertransfers oft schon mit einem einzigen Gespräch in einem beliebigen Chatprogramm erledigt war (in zahlreichen Fällen wurden viel versprechende Spieler sogar ohne Vertrag übernommen) waren die Spieler natürlich auch bereit, ihren Arbeitgebern nach nur kurzer Zeit wieder den Rücken zu kehren.
Gefragt war der schnelle Erfolg, über Konzepte, mit denen man talentierte Spieler erkennen und längerfristig verpflichten und fördern kann, wurde viel zu selten ein Gedanke verschwendet.
Nun sind die meisten der Geldblasen, die diesen Unsinn aus mangelndem Sachverstand heraus finanziert haben, geplatzt. Nun, wo das Geld knapp wird, bemerken die Verantwortlichen im Management der Teams wohl endlich, das der Wert des eigenen WarCraft-Teams in keinster Weise dem finanziellen Aufwand entspricht und das nicht erst seit gestern.
Doch aus dem aktuellen finanziellen Abstieg könnte in Zukunft ein Aufstieg werden, mit oder ohne WarCraft III. Denn wenn die Führungsetagen die Zeit, die sie vor dem nur noch tröpfelnden Geldhahn sitzen, nutzen, um eine anständige Struktur in ihre Teams zu bringen und Konzepte zu entwickeln, mit denen sich Spieler in Zukunft zu einer angemessenen Finanzierung länger halten lassen und sich trotzdem weiter verbessern, dann könnte man den Sponsoren in Zukunft vielleicht mehr anbieten, als ihr Geld in den Hochofen zu werfen.
Denn dazu wird ihnen ihr Geld auch nach der Finanzkrise definitiv zu schade sein.
Nik