Donnerstag
Heute früh hat mich der Briefträger aus dem Bett geklingelt. Wie kommt so jemand auch auf die Idee mitten in der Nacht zu arbeiten? Jeder gebildete Student weiß, dass der Tag nicht vor zehn Uhr beginnt. Trotzdem freue ich mich über das Päckchen, denn darin sind meine Reiseunterlagen, sowie der Reise(s)pass. Unter Druck arbeiten wir am liebsten und daher wurde die Reiseplanung erst am letzten Tag abgeschlossen. Jetzt muss ich nur noch meine Sachen packen, dann geht es morgen um sechs Uhr los.
Freitag
Schon wieder geht der Tag viel zu früh los. Um 5:30 Uhr aufstehen, um sech Uhr losfahren. Trotzdem bleibt am Flughafen nicht viel Zeit, weil ich noch einige Zeit nach einem geeigneten Parkplatz suchen muss. Die Einreisebedingungen sind anscheinend auch für die Fachleute zu kompliziert: Keiner kann einem wirklich weiterhelfen welches Formular wie ausgefüllt werden muss. Davon gibt es im Flugzeug übrigens nochmal eins mehr. Viel mehr als ein "I don't know" bekommt man selten zu hören. Das geht den übrigen Deutschen aber nicht anders, daher sollte es ausreichen alles nach bestem Wissen und Gewissen auszufüllen.
Am Flughafen habe ich mir noch das neue eSports-Magazin eGames gekauft. Dort kann man unter anderem lesen, wie sich Toxic schlagen lässt. Vielleicht sollte ich doch nochmal etwas Quake 4 spielen.
Flug und Transfer zum Hotel liefen relativ problemlos. Ich habe sowieso den Eindruck, dass die russischen Behörden nicht alle Formulare kennen, die wir ausfüllen mussten. Auch auf den Straßen herrscht nicht gerade Ordnung. Hier ist es wohl normal, auf einer dreispurigen Autobahn fünf Spuren zu benutzen. Dass die Äußerste zur Hälfte im Schlamm verläuft, ist dabei nicht zu vermeiden. Überhaupt scheinen die weißen Linien auf der Straße mehr Dekoration zu sein.
Ob Einkaufszentrum oder Autohaus, alle Gebäude sind riesengroß. Besonders trifft das auf unser Hotel, das Kosmos, zu. Schon die Eingangshalle ist beeindruckend. Unser Zimmer liegt auf der 25. Etage und man hat eine sehr gute Sicht auf Moskau. Wie in Russland üblich, lassen sich die Fenster problemlos öffnen, so dass ich ein paar gute Bilder machen konnte.
Am Abend sind wir noch einmal zum 4Game Internetcafe gegangen, das direkt neben dem Kosmos liegt. Was bei uns aufgrund der
Jugendschutzbestimmungen nicht möglich ist, haben die Russen überall in Moskau und St. Petersburg: Internetcafes für den eSport. Die Location ist ausschließlich darauf ausgelegt, Turniere oder Trainingsmatches zu spielen und Zuschauer daran teilhaben zu lassen. Im 4Game sprach kaum einer Englisch, aber wenn doch, wurde uns deutlich gemacht, dass man sich sehr über unsere Teilnahme freut. Nach einer Pizza und ein paar Bier ging es noch in das Kosmos Kasino, wo wir unseren Gratis-Cocktail abholten.
Samstag
Am Samstag stand Sightseeing auf dem Programm. Glücklicherweise hatten sich die UT-Spieler
Cart!m und
Askold bereit erklärt, uns durch die Stadt zu führen. Vorher musste ich allerdings noch ein Headset an
mouz|Happy abliefern, der das WC3-Turnier spielen sollte. Dieser Auftrag war allerdings nicht zu erfüllen, weil
Happy gar nicht vor Ort war. Nach mehreren Diskussionen mit den Admins und längerer Wartezeit durfte ich das Headset also wieder einpacken und ins Hotel zurück bringen.
Danach konnten wir schließlich los, in Richtung Kreml und Roter Platz. Unsere selbsternannten Reiseführer haben uns sicher durch die überfüllte Metro (Moskauer U-Bahn) gebracht, was wir alleine sicher nicht geschafft hätten. Die Fahrpläne und Bezeichnungen sind für Ausländer kaum zu verstehen. Der Bereich um den Roten Platz und den Kreml ist so groß, dass wir fast den halben Tag dort verbrachten. Die Bilder dazu finden sich in unserer
Galerie.
Als es langsam dunkel wurde, gingen wir noch in ein russisches Restaurant. Die Menüs auf der Karte waren zwar unverständlich, aber ausgesprochen sind sie den deutschen Bezeichnungen sehr ähnlich. Außerdem bemerkenswert ist, dass Cart!m und Askold, sowie viele andere Spieler, Antialkoholiker sind. Nicht alle Russen trinken Wodka.
Am Ende des Tages ging ich mit
kiLLu noch einmal ins 4Game Internetcafe, um ein paar Bier zu trinken und die laufenden Spiele zu sehen. Danach gingen wir zeitig schlafen, um am Sonntag für das UT2k4-Turnier fit zu sein.
Sonntag
Bereits um neun Uhr morgens war der Check-In zum Turnier. Mit Spielern aus zwei Turnierbäumen mit jeweils 64 Teilnehmern war das 4Game gut gefüllt. Der Check-In ging relativ schnell zu Ende, trotzdem dauerte es noch mehrere Stunden bis die Turniere starteten. In der Wartezeit wurde wieder ein Vorurteil gegenüber Russland widerlegt: Es ist hier nicht kalt! In allen Gebäuden, der Metro oder im Flugzeug wird die Heizung angeschaltet (auf Maximum gedreht), so dass man eigentlich überall am schwitzen ist. Im 4Game, mit den ganzen Menschen und Computern, war es noch extremer als woanders.
Extrem war auch die Begeisterung der Zuschauer und der anderen Teilnehmer. Ich habe noch nie so viele Autogramme geschrieben, bzw. wurde noch nie so oft nach einem Erinnerungsfoto gefragt.
Das Turnier wurde in einem Double Elimination-Modus gespielt, aber nur je eine Map pro Runde. Um diese auszuwählen durfte jeder Spieler eine Map rausvoten, danach gab es einen Münzwurf. Die genauen Ergebnisse können
irgendwo nachgelesen werden. Am Ende hatte
kiLLu vor
Veles und
Navigator gewonnen, ich wurde fünfter. Eindrucksvoll war die Auszahlung des Preisgeldes. Noch während des laufenden Turniers holte mich
Cart!m zum Admin-Tresen. Der Turnierleiter
dimonn fragte nur: „Dollar or Rubels?“ Ich konnte auswählen in welcher Währung das Bargeld sein sollte, das er mir direkt in die Hand drückte. Wenn man da an die Clanbase und Wartezeiten von über acht (!) Monaten denkt, ist das ein großer Pluspunkt.
Nach dem Turnier mussten wir uns von den meisten Spielern verabschieden. Sie machten sich auf den Weg nach Hause. Einige, wie Dimitri alias Dieter, wollten noch als Abschluss eine Kneipe aufsuchen. Dieter, ist auf den Bildern erkennbar als der dritte Deutsche. Überall trägt er eine deutsche Flagge – als Armband, am Rucksack oder als Cap. Er führte uns in eine Kneipe, mit Flaggen von 2 bayerischen Biersorten. So gab es also in Russland, neben dem holländischen, auch noch deutsches Bier für uns.
Erst auf meinen ausdrücklichen Wunsch bekamen wir noch einen echten russischen Wodka.
Der Tag ging schnell zu Ende und damit auch unser Aufenthalt in Moskau. Wir verabschiedeten uns und gingen zurück ins Hotel. Montag früh sollte es wieder zurück nach Deutschland gehen. In ein Land, das hier als „good Country“ gesehen wird.
Fazit
Die Stadt Moskau hat sich durch das schäbige Wetter und den Schmutz zuerst nicht von seiner besten Seite gezeigt. Trotzdem war es ein großartiges Wochenende, das ich auf keinen Fall vermissen möchte. Schon im Vorfeld waren die russischen Teilnehmer sehr hilfreich und freundlich. Wie extrem positiv Deutschland dort empfunden wird, haben wir aber erst vor Ort gesehen. Bestes Beispiel dafür ist Dieter, der mehr deutsche Flaggen am Körper trägt, als ich jemals besessen habe. Autogramme und Bilder mit uns waren gefragt, wie ich es noch nirgendwo erlebt habe. Die Getränke nach dem Turnier wurden uns komplett spendiert. Und dabei waren unsere Gastgeber auch strikt. Nicht einmal die Tatsache, dass
kiLLu gerade erst 1000 Euro gewonnen hatte und nun eine Runde ausgeben möchte, konnte Abhilfe schaffen. Die Rechnung wurde der Bedienung abgenommen und bis zur Bezahlung unter Verschluss gehalten.
Einziger Wehmutstropfen ist mein fünfter Platz, da wäre sicherlich mehr möglich gewesen. Zusätzlich zu dem ersten Platz von
kiLLu bei einem internationalen Event von dieser Größe ist es aber immer noch ein sehr guter Abschluss. Die eigenen Ansprüche sind durch die anhaltenden Erfolge auch extrem hoch. Ich bedanke mich bei Allen, die diese schöne Zeit möglich gemacht haben.
daddy
Held vom Feld