Mein Account

Request password Register

Partner

FSHost digibet

Aktuelle Diskussionen

Abstimmung

  • PROtoss  
    23.53 %
  • Terranische Panzerbrigade  
    8.09 %
  • For the Swarm!  
    4.41 %
  • Ich bin so cool, ich spiel' Random  
    7.35 %
  • Ich spiele kein SC2 :(  
    56.62 %
Details & Kommentare

Join mousesports at

Facebook Twitter
YouTube Steam
reddit digg

affentod: Clans haben eine Menge Potential im B2C-Bereich

Im dritten und letzten Teil des Interviews mit David „affentod“ Hilscher geht es um die Situation der eSport-Clans in Deutschland. Wie zufrieden die ESL mit der Entwicklung ist und warum sie keine Muster-Verträge anbieten möchte erfahrt ihr hier.


Die letzte Runde eröffne ich noch mal mit einem kleinen Schwenker: In drei Sätzen: Was ist das Geschäftsmodell der ESL?

Es gibt im Grunde drei Säulen: Die eine ist der Progaming-/Eventbereich, der sich darüber finanziert, dass wir uns große Sponsoren holen, die dafür zahlen bei großen Events und Ligen vertreten zu sein. Die zweite ist unser TV-Sender. Wir glauben, dass man mit Internet-TV Geld verdienen kann, was ESLTV zum einen über Aboservices, zum anderen über Werbung auch schon tut. Dritte Säule, die jetzt wieder wichtiger wird, die wir in der Vergangenheit vernachlässigt haben, ist die ESL als Plattform für die Nutzer, die so cool ist, dass die Leute bereit sind, Geld dafür zu zahlen.

Mir geht es vor allem um die erste Säule. Ich stelle dem mal das Geschäftsmodell der Clans gegenüber: Die bezahlen Spieler dafür, dass sie auf Events und Turnieren (erfolgreich) spielen, was wiederum Sponsoren dazu bringt, den Clan zu unterstützen. Fällt dir da was auf?

Japp, das kann nicht funktionieren auf Dauer.

Ist es nicht ein Kernproblem des eSport, dass die ESL, bei aller Wichtigkeit für die Clans, als übermächtiger Bewerber um Sponsoren konkurriert und damit deren Entwicklung behindert?

Da muss ich direkt mal widersprechen. Natürlich konkurriert man, aber das hast du ja erstens in jedem anderen Sport auch, zweitens gibt es Sponsoren, die explizit Teams haben wollen und andere, die Ligen haben wollen. Drittens gibt es auch Sponsorenkategorien: Wenn wir Intel haben, gibt es immer noch einen anderen Prozessorhersteller, den man anlocken kann. Bei Grafikkartenherstellern, Headsetherstellern, Mauspadherstellern gibt es immer so drei bis sieben Firmen. Wir können davon jeweils nur einen bedienen, weil wir logischerweise immer eine Exklusivität in unseren Sponsorenverträgen haben. Von daher kann man das Argument so nicht gelten lassen.
Im Fußball ist es natürlich leichter, weil du insgesamt viel mehr Sponsoren erreichen kannst, trotzdem gibt es sicher genug Möglichkeiten für die Clans an Sponsoren zu kommen. Ich glaube aber auch, dass einiges am Geschäftsmodell vieler Clans nicht in Ordnung ist.

Woran hakt es deiner Meinung nach?

Clans haben das selbe Problem, das Turtle hatte. Wir haben uns zu sehr auf Sponsoren verlassen. Die große Wirtschaftskrise 2008 hat einfach gezeigt, dass es hoch riskant ist, sich auf drei bis vier Marketingtöpfe zu verlassen. Da muss man sich als Organisation, Achtung böses BWLer Wort, diversifizieren und breiter aufstellen. Bei uns hieß das die Einnahmen aus der Website zu steigern und so dafür zu sorgen, dass der Nutzer von Turtle-Produkten seinen Teil dazu beiträgt, dass das Konstrukt ESL funktioniert. Das heißt jetzt nicht zwingend, dass er in der ESL spielt und dafür einen Premium-Account braucht, sondern auch kleinere Sachen. Zum Beispiel gibt es Nutzer die sagen: „Ich finde gut, was die ESL macht und deshalb kaufe ich mein neues Headset im ESL-Shop und nicht bei Amazon, obwohl es dort vielleicht etwas günstiger wäre.“
Ich will damit nicht sagen, dass ein Shop jetzt der Weg zum großen Geld ist, aber die Clans haben auf jeden Fall noch eine Menge Potential im sogenannten B2C, dem Business to Consumer Bereich. Sie müssen also nicht nur von den großen Firmen Geld holen, sondern eben auch vom Fan, vom Besucher der Website und dem durchschnittlichen eSportler. Da gibt es einige Möglichkeiten, die Clans haben auch schon einiges probiert: mousesports hatte backstage und einen eigenen Shop.

Daneben kann man durch Bannerwerbung und Video-Werbung ein bisschen was machen. Außerdem strukturieren wir gerade unseren Shop um. Für die Clans ist das eine Chance eigenes Merchandise zu machen. Dafür ist Take gerade ein super Beispiel, der sein Hobby-Projekt nur zum Teil mit Sponsorengeld finanziert und HD-Pässe für seinen Stream anbietet und Shirts verkauft. Ich glaube, gerade im Bereich Merchandise haben die Clans bisher wenig richtig gemacht. Diese halbherzigen Versuche waren bestensfalls Nullsummenspiele.
Daneben gibt es auch noch andere B2C-Konstrukte die einen weiterbringen: Zum Beispiel Mitgliedsbeiträge, wie es sie bei n!faculty gibt, die 200- 300 zahlende Mitglieder haben. Denen können sie interessante Angebote bieten, weil sie Kooperationen mit verschiedenen Firmen eingehen können. Ich glaube, dass es da einfach an Kreativität fehlt, um neue Konzepte auszuprobieren. Leute wie django haben halt das B2B-Geschäft von der Pike auf gelernt, machen das seit Jahren und können sich noch nicht ganz davon lösen. Dass das nicht einfach wird, ist völlig klar. Trotzdem sehe ich da das große Potential und das Ziel, wo die Clans langfristig hin müssen.

Du siehst das große Potential darin, Tassen zu verkaufen?

Als ein Teil -  auf jeden Fall. Wenn die Tassen vernünftig gemacht sind, wenn sie ein vernünftiges Pricing haben. Natürlich glaube ich nicht, dass man mit Tassen reich wird. Aber guck dir an, wie sich Fußballvereine finanzieren. Mit TV-Geldern ist auf absehbare Zeit im eSport nicht zu rechnen. Ansonsten verdienen sie Geld über Merchandise: Nicht so sehr über Tassen, vor allem über Trikots. Dazu kommen noch Eintrittsgelder und Services auf der Vereins-Website. Wobei die da auch oft an die Mitgliedschaft gekoppelt sind. Und da sind wir wieder bei n!faculty, die sich stark am Fußball orientieren und zum Teil über Mitgliedsbeiträge finanzieren. Positiver Nebeneffekt ist gleich eine größere Bindung an den Clan. Wenn du irgendwo Geld investierst, Mitglied wirst, macht dich das zum Hardcore-Fan.

Wenn wir uns in den letzten Jahren über die Entwicklung in der Clanszene unterhalten haben, habt ihr ESL Mitarbeiter euch immer sehr geduldig gezeigt. Die Situation hat sich aber nicht verbessert, die Zahl wirklich professioneller Clans ist bestenfalls konstant geblieben. Kaum ein Team kann seine Spieler überhaupt bezahlen.

Bezahlung ist nichts, woran ich die Professionalität eines Clans festmachen würde.

Dann vielleicht an der Stabilität. Kaum eine Hand voll Teams konnte den Ausfall eines Hauptsponsors verkraften.

Da muss ich dir widersprechen. Sicherlich gibt es wenige Topclans, wie ein SK oder mousesports. Im Mittelbau gibt es aber eine Menge Teams, die man nicht so richtig wahrnimmt, die aber erstaunlich professionell agieren. In der Regel sind sie als Vereine und ohne Gewinnabsicht organisiert. Dabei sind sie aber extrem stabil. Nehmen wir zum Beispiel den Geh aB Clan: Die gibt’s seit 10 Jahren oder so, die haben 200 Mitglieder sind in zig Spielen vertreten und wenn die irgendwo in der EPS mitspielen, dann kannst du dir sicher sein, dass die am Ende der Saison immer noch drin sind, egal wie es bei denen läuft.

Überhaupt sind die Dropout-Raten in der EPS massiv zurückgegangen. Dass in CS oder CSS ein Team aussteigt oder disqualifiziert wird, ist extrem selten geworden. Die rigiden Regeln, für die wir so oft kritisiert wurden, haben da auf jeden Fall einen positiven Effekt gezeigt. Wir haben erreicht, dass die Clan-Manager zu ihrem Projekt stehen müssen, indem wir sie dazu gezwungen haben ein Unternehmen oder einen Verein zu gründen. Wenn ein Clan nur aus einem bescheuerten Namen und einer Website besteht, kannst du ihn von einem auf den anderen Tag abstellen. Mit einem Verein oder Unternehmen geht das nicht so leicht, da bist du erstmal drin. Dieser Wandel hat dafür gesorgt, dass es jetzt Clans gibt, die das Potential haben zu wachsen, sobald der Markt an sich wächst.

Vieles steht und fällt da auch mit der ESL: Wir haben uns in den Spielerzahlen nicht so weiterentwickelt, wie wir uns das erhofft haben. Das ändern wir jetzt mit versus und ich glaube dass, wenn eSport erstmal doppelt oder dreimal so groß ist wie jetzt und das Ganze für Vermarkter, Sponsoren und Werbetreibende wieder attraktiver wird, mehr Clans als bisher profitieren werden.  

Könnte man den Clans nicht noch mit Musterverträgen, die gerichtsfest sind, unter die Arme greifen?

Es gibt keine gerichtsfesten Verträge im eSport, wie SK und fnatic gerade beweisen. Und diese Organisationen setzen ihre Verträge ja nicht einfach so auf, sondern lassen Anwälte daran. Auf dieses dünne Eis wollen wir uns nicht begeben, obwohl die Clans immer öfter versuchen uns in Rechtsstreitigkeiten mit hineinzuziehen à la „der Spieler hat den Vertrag gebrochen, jetzt müsst ihr dem aber ne Sperre geben“ Von solchen Streitereien halten wir uns so weit wie möglich fern, weil es oft schwierig zu sagen ist, was genau vorgefallen ist und wir mit einer Entscheidung immer irgendwelche Fans verprellen würden. Es gibt Arbeitsgerichte, die sich mit solchen Verträgen beschäftigen, das müssen wir nicht tun. Wir versuchen aber solche Probleme im Vorfeld zu entschärfen, etwa mit dem Ligarat, der ja von den Teams und Spielern gewählt wird und als Schlichter agieren soll.
In Spielerverträge werden wir uns also nicht einmischen, haben aber natürlich insgesamt mit unseren sehr strengen Regeln die Basis für eine gewisse Professionalität geschaffen. Da die gewünschten Effekte eigentlich eingetreten sind, werden wie die Stellschrauben auch nicht enger drehen, sondern in Zukunft eher lockern. Insgesamt können wir mit dem Status Quo bei den Clans wohl zufrieden sein. 

Statistik

0 Kommentare
Von Hanno M (mouz|hno)
mousesports Columnist
Stand: 05.07.2011

Kommentare

Kommentar schreiben

Du musst registriert und eingeloggt sein, um eine Kommentar schreiben zu können.