Stell dir vor, es sind eStars Seoul und keiner geht hin. Kann nicht sein? Die eStars sind doch eines der wichtigsten Events des Jahres? Stimmt genau, aber dieses Jahr sind sie nur eines unter vielen Events. Wer sagt, dass CS stirbt, sollte sich mal den Terminplan unserer Spieler für die nächsten zwei Monate zu Gemüte führen. Mit fünf großen Turnieren in fünf Ländern auf drei Kontinenten steht eine so noch nie da gewesene Belastung an.
Comeback in Paris
Den Auftakt macht der wiederauferstandene ESWC. Mit neuem Sponsor und neuem Organisator will eines der prestigeträchtigsten Turniere wieder im Konzert der Großen mitspielen. Mit Preisgeld-Garantie und anderen vertrauensbildenden Maßnahmen ist es den Franzosen gelungen, die besten eSportler der Welt nach Paris zu locken. Für unsere Spieler hat das Konsequenzen. Wenn sie dort mehr als mitspielen wollen, müssen sie topfit sein. Deshalb sind die Mäuse bereits letzten Freitag ins Bootcamp eingerückt, wo sie bis zum Mittwoch bleiben, um dann von dort direkt zum Turnier fahren, welches vom 30.06. bis zum 04.07. geht.
Nur der Sieg zählt in Leipzig
Dann muss regeneriert werden. Allzu viel Zeit bleibt dafür - mit nur vier Tagen - aber nicht. Dann heißt es vom 09.07 bis zum 11.07. den Platz für die World Cyber Games zu erkämpfen. Auf dem Papier sicher das unwichtigste und vielleicht einfachste Turnier in der Serie. Aber dafür zählt im Freizeitpark Belantis bei der deutschen WCG Qualifikation ausschließlich der Sieg. Die anwesenden nationalen Konkurrenten werden sicher einige Überraschungen für unsere Jungs vorbereiten.
Einmal großer Teich und zurück
Nach dem Turnier ist vor dem Turnier. Schon am darauf folgenden Donnerstag heißt ab zum Flughafen Frankfurt und vor dort nach Dallas. Arbalet ruft die internationale CS-Elite vom 16.07. bis zum 18.07 zum Arbalet Cup Dallas. Hier gilt es also, den Jetlag blitzschnell wegzustecken und gute Leistungen zu zeigen. Am Montag steht dann auch schon der Rückflug auf dem Programm.
Titelverteidiger in Spanien
Theoretisch könnten unsere Spieler auf dem Rückflug direkt über Bilbao mit dem Fallschirm abspringen. Dort startet am Donnerstag, den 22.07, die GameGune, wo mousesports seinen Titel verteidigen will. Da Fallschirmspringen nicht zu den vielen Talenten unserer Spieler gehört, werden diese einen Tag Aufenthalt in Frankfurt haben, bevor es dann am Mittwoch mit dem Flugzeug nach Spanien geht. Am Sonntag ist das Event dann auch wieder vorbei. Es geht endlich nach Hause.
Einer geht noch
Bevor die biologische Uhr aber auch nur ansatzweise wieder auf Europa eingestellt werden kann, heißt es für unsere Jungs mal wieder ins Flugzeug steigen und nach Shanghai fliegen. Die ESL bittet zum ersten Global Stop der IEM in diesem Jahr. Dieses Turnier steigt vom 30.07 bis zum 01.08.
Ja, und kurz danach sind dann auch schon die eStars Seoul auf der Agenda. Wer sich jetzt noch fragt, warum wir dieses Event auslassen, ist entweder verrückt oder zum Hedgefond-Manager geboren.
Bleiben noch drei Fragen:
1.) Für welches Turnier sollten wir Taktiken saven?
2.) Was soll das überhaupt? Stimmen sich Turnierveranstalter ab? Wenigstens ein bisschen?
3.) Wer soll das alles bezahlen?
Die Beantwortung der ersten Frage überlassen wir am besten den Spielern. Fatih wird sich sicher für die einzelnen Turniere etwas überlegen. Über die zweite Frage kann man sich schon eher den Kopf zerbrechen. Natürlich ist kein Team gezwungen, jedes Event auch mitzuspielen. Auch ist nicht immer die gleiche Zielgruppe von Clans angesprochen. So werden in Leipzig ausschließlich deutsche Teams auflaufen, da es dort um den deutschen Spot für die WCG geht. Da ist es logisch, dass man nicht auf das einzige betroffene Team besondere Rücksicht nehmen kann. Selbst dann nicht, wenn dieses Team Favorit sein sollte.
Lieber Konkurrenten ausstechen, als clever planen
Warum allerdings ein Arbalet, der sich sonst durchaus als Szenekenner und Szenefreund auszeichnet, "sein" Turnier direkt hinter dem ESWC platzieren muss, bleibt sein Geheimnis. Gleiches gilt für die ESL. Diese hat ja über das Jahr verteilt inzwischen eine dominante Stellung im CS-Bereich, vor allem im Herbst mit den Global Challenges und im Winter/Frühjahr mit dem IEM Finale. Da kann man sich doch fragen, ob sie den Sommer nicht mal anderen Turnierveranstaltern überlassen können. Insgesamt muss hier leider der Eindruck entstehen, dass sich die verschiedenen Veranstalter gegenseitig die Show stehlen wollen, anstatt clever zu sein und das Jahr optimal untereinander aufzuteilen.
Noch ein Turnier: Die Fußball-WM
Wenn man es dann schon zu einer Jahreszeit Turniere hageln lassen muss - warum dann ausgerechnet während der Fußball-WM? Liebe Veranstalter schaut auf eure Zielgruppe! Jung, männlich, wettkampforientiert; klingelt da etwas? Wenn sich die besten CS-Teams duellieren schauen wir sicher alle gerne zu - es sei denn, es läuft gerade das WM-Finale. Mit diesem Turnier zu konkurrieren ist sicher kein dankbarer Job für eure IPTV-Sender.
Kostenpunkt: Erheblich
Für die Frage, wer das alles bezahlen soll, hat sich unser Chef Yilmaz dazu bereit erklärt die Rechnung aufzumachen und einen Einblick zu gewähren. Im Überblick wirken die Zahlen sicher am besten:
Hotelkosten während des Bootcamps: 1020 Euro
Mietwagen während des Bootcamps: ca. 100 Euro
Fahrt mit dem Mietwagen nach Paris: 850 Euro + ca. 400 Euro Benzinkosten
Fahrt nach Leipzig: 300 Euro + ca. 200 Euro Benzinkosten
Hotel in Leipzig: 450 Euro
Flug nach und von Dallas und Hotel: 6128 Euro
Flug und Hotel nach und von Bilbao: ca. 2500 Euro
Event in Shanghai: ca. 4000 Euro
Dazu kommen noch die laufenden Kosten für Spesen und ähnliches. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass unsere Spieler das gewonnene Preisgeld zu 100% behalten dürfen, sieht man, welche finanzielle Belastung dieser Sommer für mousesports mit sich bringt. Dies können logischerweise nur wenige Teams stemmen. So schön es auch ist, dass dieser Clan seinen Spielern so viel ermöglichen kann, so fragwürdig ist doch die Geldpolitik der Turnierveranstalter. Immer wieder werden Events in hintersten Winkeln der CS-Welt veranstaltet, immer wieder wird mit riesigen Preisgeldern gelockt und immer wieder müssen die Teams Anreise und Hotel auf die eigene Rechnung nehmen.
Spannung ist mehr wert als Geld
Es wäre wünschenswert, wenn in diesem Punkt ein Umdenken beginnen würde. Ein Turnierveranstalter könnte seine Kontakte vor Ort, sowie die große Anzahl an Kunden nutzen, um selbst verhältnismäßig günstig, an Unterkünfte für alle Spieler zu kommen. Auch eine Antrittspauschale, die einen Teil der Flugkosten abfedern würde, sollte angedacht werden. Denn letztendlich wäre auch ein Minus an Preisgeld akzeptabel, wenn es dafür ein Plus an Vielfalt und Spannung geben würde. Zurzeit lassen sich die Teams, die diesen Reisestress finanziell aushalten können, an höchstens zwei Händen abzählen. Kleinere Teams können sich bestenfalls an Turniere auf ihrem Kontinent halten und bei Inter-Kontinental-Meisterschaften nur traurig am Flughafen stehen und winken. Es wäre schön, wenn sich dies irgendwann ändern würde.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel wurde vor der Meldung verfasst, dass der WCG-Qualifier für Counter-Strike dieses Jahr online ausgetragen wird.