Familientreffen sind ja immer mit zwiespältigen Gefühlen verbunden. Auf der einen Seite ist es immer eine schöne Sache, dass alle mal wieder etwas zusammen machen. Aber warum zum Geier muss Tante Elfriede denn auch kommen? Und Opa Brast sorgt immer für so schlechte Stimmung, wenn er im Suff über die anderen Familienmitglieder herzieht. Vermutlich kann jeder, der mit einer großen Familie gesegnet ist, ein Lied von solchen Treffen singen. Auch die Elite der Counter-Strike Spieler trifft sich mehrfach im Jahr, bei verschiedenen Events. Die Familienfeststimmung bleibt fällt dabei aber meistens dem Messelärm, den Mainraffles oder den riesigen Locations zum Opfer. Bei den Continental-Finals Europe der IEM ist es dieses Jahr anders. Hier steht tatsächlich mal wieder der Spieler im Mittelpunkt.
Tischlein leck mich!
Das beginnt mit dem Arrangement der Tische. Jeweils sechs Teams können gleichzeitig spielen. Die Spieler sitzen nebeneinander, die Tische schließen ein Rechteck ein. In vielen Matches kann man also seinem Gegner fröhlich zuwinken, wenn man ihn gerade in der 1on1-Situation clever ausgespielt hat. Vor allem die Spieler von KerchNet machen davon gern Gebrauch. Ein akustisches Highlight war dabei das Spiel zwischen Roskilde Ravens und SK-Gaming. Beide Teams saßen sich direkt gegenüber und versuchten die jeweils anderen mit purer Dezibelpower niederzuringen. Ebenfalls interessant im Bezug auf die Tische: Diejenigen Teams, welche allein an einer Seite des Rechtecks saßen, hatten mehr Platz zur Verfügung. Auch unsere Mäuse freuten sich über einen zusätzlichen Tisch, bis dann die Benutzung plötzlich verboten wurde: die anderen Teams hatten sich doch glatt über diesen "Wettbewerbsvorteil" beschwert.
Gute Laune
Ansonsten ist die Stimmung zwischen den Teams doch sehr gelöst, man fachsimpelt und kommentiert überraschende Ergebnisse. Gerade die deutschen Teams zeigten sich an den Ergebnissen ihrer Lansleute sehr interessiert. So verfolgte zum Beispiel n!faculty-Spieler und ehemalige Maus Franz 'gore' Burghardt das Spiel gegen MYM hinter unseren Spielern. Von Groll vergangener Zeiten keine Spur. Und auch zwischen den Skandinaviern herrscht gute Laune, wie dieser, hier in voller länge geschilderte, Dialog zwischen Baljit 'zE-' Lal, von den Ravens und Christopher 'GeT_RiGhT' Alesund von fnatic zeigt:
zE: Noob!
GeT_RiGhT: na!
zE: Noob!
GeT_RiGhT: na!
zE: Noob!
GeT_RiGhT: na!
zE: Noob!
GeT_RiGhT: na!
zE: Noob!
GeT_RiGhT: na!
Taktikbesprechung à la NEO
Vor den Matches darf dann die obligatorische Taktikbesprechung nicht fehlen. Da die meisten Teams, vermutlich ihren Rauchern zu liebe, ihre Besprechungen vor der Tür auf dem Parkplatz abhalten, kam es dazu, dass sich immer wieder Teams draußen trafen. Während sich unsere Jungs auf MYM vorbereiteten, kamen zum Beispiel die Polen von Guns are Drawn nach draußen. Offenbar fanden sie die Taktikbesprechung von gob und Co. sehr lustig, vor allem das gesprochene Deutsch sorgte für gute Laune. Und so versuchte sich NEO dann in einer Deutsch-Imitation: "Achtung, Achtung! Kaputt, Verboten!" In ihren eigenen Besprechungen ließen sie dann aber doch einen größeren Ernst walten.
Recherche à la Harding
Wow-Recherche
Quelle: ESL
Mit großem Eifer bereitet sich hingegen James Harding, der lebendige Traum einer jeden Kölner Schwiegermutter in spe, auf seine WoW-Sendungen vor. In jeder freie Minunten während des CS-Turniers kontrolliert er seine drei Accounts mit seinen 12 Level 80 Chars. Darauf angesprochen, warum er, als ehemaliger Quaker, sich jetzt auf ein derart wenig skill-basiertes Spiel stürzt, antwortete er doch glatt, dass er "eine Art Recherche betreibe", da WoW besonders schwer zu kommentieren sei und er gut vorbereitet sein müsse. Ein Hoch auf den vorbildlichen Aufwand, den James Harding betreibt *hust*. Für diejenigen, die ihn nochmal richtig spielen sehen wollen, legte er immerhin noch nach, mit der Behauptung noch immer Quake Live zu spielen und sogar mit den heutigen Pros mithalten zu können. Für den Autor des Textes hatte er auch noch eine schockierende Erkenntnis betreffend seines Schulenglischs parat, als er fragte, ob dieser ein ukrainischer CS-Spieler sei.
Wo sind die Redakteure?
Das ist sofern auch verständlich, als dass es kaum Redakteure nach Brühl geschafft haben. Anders als noch bei den EPS-Finals, wo gefühlt jeder zweite Anwesende von fragster war, muss hier datawave den Einzelkämpfer spielen - was ihm sichtlich Spaß bereitet. Kurzer Hinweis in eigener Sache: Nicht das Management hat den Mäusen einen Maulkorb verpasst - die Spieler selbst möchten zurzeit keine Interviews geben. Aber auch sonst gäbe es hier für Redakteure einiges zu holen: Schon lange waren so viele gute europäische Spieler auf einem Haufen und gleichzeitig so entspannt, wie bei diesem Event.
Schon heute ist das Familientreffen praktisch wieder vorbei. Nur noch sechs Teams müssen noch einmal antreten. Dazu kommen die ganzen WoWler, die allenfalls für James Harding interessante Gesprächpartner abgeben. Trotzdem wird man hinterher, wie bei einem Familienfest, sagen. Hach war das anstrengend - aber irgendwie doch auch schön, mal wieder alle gesehen zu haben. Und einige Anekdoten wird man sich noch lange erzählen.