In den vergangenen Jahren entwickelte sich der eSports prächtig und hierzu gelten auch die Spielergehälter. Mittlerweile ist es unvorstellbar, welche Beträge täglich im eSport fließen. Ganz oben auf der Skala liegt der Strategie-Hit WarCraft III von Blizzard Entertainment. Hier werden wohl die mit Abstand höchsten Gehälter ausgezahlt. Doch ist das alles wirklich ein Muss und gibt es auch noch andere Möglichkeiten?
Eintrittspreise und Reisekosten
Muss ein einzelner WarCraft III-Spieler 13.000 US-Dollar im Monat verdienen – ist das noch tragbar für den eSport zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise? Viele in der Community und auch Mitarbeiter der Top-Teams sehen dieses Thema mittlerweile mit anderen Augen, obwohl es eine doch verschwindend geringe Zahl an Spielern ist, welche sich ein Leben durch den eSport finanzieren können. Reicht es denn nicht mehr, wenn Clans Eintrittspreise, Reisekosten, Übernachtungskosten tragen und zusätzlich eine Art „Taschengeld“ bezahlen, um den Zeitaufwand der Spieler auszugleichen – anscheinend nicht! Immer mehr Spieler schauen zuerst auf das Gehalt, was sie beziehen könnten. Damals, vor nicht all zu langer Zeit war man schon stolz für einen der großen Clans zu spielen, egal was man bekam. Nun aber regiert, wie fast überall auch, das Geld den professionellen eSport.
Die deutsche Szene
Ein Beispiel könnte man sich doch an dem deutschen Markt nehmen, hier gibt es eigentlich niemanden, welcher sich durch sein Spielergehalt ein ganzes Leben finanzieren kann. Meckern tut aber deshalb niemand, nein man spielt mit Leidenschaft und aus Spaß an der Sache. Es reicht doch auch wie bereits oben genannt, wenn man die anfallenden Reisekosten und Übernachtungskosten bezahlt bekommt und dazu noch einen Betrag X erhält, welcher den Zeitaufwand den man für das Spielen aufwenden muss deckt. Es ist doch immer noch so, dass man aus eigenem Interesse spielt und nicht, weil man gezwungen wird. Aufhören oder inaktiv gehen kann jeder wann immer er will. Viele Progamer finanzieren sich durch den eSport ein Studium, so auch der 6-Fache EPS Champion im Bereich WarCraft III Daniel "miou“ Holthuis. Er selbst steht unter Vertrag bei SK Gaming und sagte schon des Öfteren in Interviews, dass er sich mit dem Geld, welches er verdient, dass Studium finanzieren kann - nicht mehr und nicht weniger. Sowieso sind die meisten Progamer noch Studenten oder Schüler, sodass es doch überhaupt nicht nötig ist, ihnen mehrere Tausend Euro im Monat zu zahlen. Außerdem gibt es genug professionelle Spieler, welche Ausbildung oder Beruf mit dem Progaming verbinden und sich mit dem spielen allenfalls noch ein bisschen dazu verdienen.
Hier gibt es aber auch einige Spieler und Clans, welcher bereits in die richtige Richtung einschlagen. Das deutsche Team nGize zum Beispiel konnte den Top-Spieler Check verpflichten, allerdings zu einem viel geringeren Gehalt, welches er noch bis vor kurzem bei mTw bezog. Hier kann man gute Ansätze erkennen, dass auch Spieler bereit sein müssen, einzubüßen. Es ist doch immer noch besser "etwas" zu verdienen als überhaupt gar nichts in der Hand zu haben. Manch einer hat dies aber noch nicht ganz begriffen und dabei geht es nicht nur um die Top-Spieler. Auch kleinere Teams verlangen mittlerweile utopische Gegenleistungen, welche meist nicht im geringstem zu den erbrachten Leistungen stehen.
Geld im Überfluss?
Jetzt wo die Weltwirtschaftskrise auch den eSport erreicht hat, gehen auch die Gehälter zurück. Viele Sponsoren zahlen auf einmal nicht mehr die Summen wie noch vor der Krise und manche Unternehmen brechen gleich ganz als Sponsor weg. Glücklicherweise gibt es aber auch andere Firmen, die ihren Etat ausbauen oder zumindest beibehalten - hier kristallisieren sich richtige Partnerschaften heraus, mit dem Bestreben das Team und den E-Sport voranzubringen. Dennoch geniessen nicht alle Teams einen solchen Luxus und somit muss bei den meisten zurückgeschraubt werden. Einige Clans haben das eingenommene Geld förmlich "rausgehauen", obwohl man sich zum Beispiel Budgets für schlechte Zeiten hätte sparen können, um auch schwierige Wochen oder gar Monate zu überstehen. Neben den meist hohen Gehältern dürfen die Spieler oftmals auch das gewonnene Preisgeld behalten, sodass dem Clan am Ende eigentlich nicht viel bleibt.
Letzter Ausweg: Insolvenz
Durch die Weltwirtschaftskrise sind natürlich auch die Unternehmen hinter den Clans oder Turnieren betroffen und so blieb vereinzelten Firmen zuletzt nur noch der schwere Weg in die Insolvenz. Hier zu nennen sind ESNation und vor kurzem leider auch Games Services. ESNation versuchte zwar in der Vergangenheit die Marke MYM verzweifelt mit einer Franchise-Auslagerung zu retten, doch letzten Endes war es bereits zu spät. Alle Teams wurden Entlassen und Franchise-Nehmer Frontspawn wollte sich mit der hohen Last nicht zusätzlich belasten. Neben den Teams haben es aber auch die Veranstalter von Turnieren schwer. Zum Entsetzen vieler meldete nun auch die Firma Games Services die Insolvenz an.
Games Services ist die Firma hinter dem Electronic Sports Worlds Cup, eines der beliebtesten und wichtigsten eSport-Events. Es war sicherlich irgendwo abzusehen, dass es große Probleme bei der Organisation gab, doch wollte niemand an einen Wegfall des Turnieres denken. Sicherlich ist die Hoffnung noch nicht völlig verloren irgendwann wieder einen ESWC verfolgen zu können, oder doch noch einmal MYM auf einem anderen Turnier zu sehen, hierfür allerdings braucht es zahlungskräftige Unternehmen oder Privatinvestoren. Das Investoren langfristig nicht immer die beste Lösung darstellen, sah man bereits bei MeetYourMakers. Was also tun zu dieser wirklich schwierigen Zeit? Einfach abwarten bis es der Wirtschaft wieder besser geht, oder sollte man doch versuchen noch größere Sparmaßnahmen einzuführen? Ob es in den kommenden Wochen noch weitere Bespiele wie MYM oder den ESWC geben wird, bleibt abzuwarten. Fest steht allerdings, dass in diesen Tagen die Kommunikation zwischen Management und Sponsoren besonders wichtig sein wird.