Und wieder stellt mousesports die Klasse ihres Spiels unter Beweis. In einem Herzschlagfinale, dessen Einstieg eigentlich gar nicht schlechter für die Mäuse hätte sein können, besiegten sie den Altmeister aus Linden am Samstag Abend. Der magische Begriff des Matches lautete wohl "Timeout", denn danach holte mousesports Runde für Runde. Sie standen mit dem Rücken zur Wand, da Alternate auch die zweite Pistolround gewann und somit schnell die fünf Runden zum Draw erreicht hatte. Unter dem Druck, keine Runde mehr abgeben zu dürfen, schafften sie wider aller Erwartungen noch das Spiel zu drehen und ein Unentschieden zu sichern. Es ging also in die Overtime – die Nerven lagen blank. So sah es zunächst wiederholt schlecht aus für die Mäuse: Mit einem 2 zu 3-Ergebnis auf der CT-Seite ging man in die Halbzeit der Overtime. Danach ging es dann los. Nicht nur der frisch gekürte MVP cyx, sondern das ganze Team zeigte Counter-Strike vom Feinsten und sicherte sich vier Runden in Folge. Somit war der Finaleinzug perfekt und der Kampf um den EPS-Pokal wurde seitens mousesports am Leben erhalten.
Sonntag, 12:00 Uhr im Hotel: Aufbruchstimmung bei mousesports, der Tag der Entscheidung war gekommen. Die zum Teil kurze Nacht war den mouz-Akteuren eigentlich kaum anzusehen, man hatte ja noch bis 6 Uhr Demos geschaut. Hauptgesprächsthema zwischen Koffern und Taschen war natürlich das Spiel vom vergangenen Abend gegen Alternate und ebenso das bevorstehende Finale gegen n!faculty. „In den letzten Seasons hat immer das Team aus dem Lower-Bracket die EPS-Finals gewonnen, wir werden diese Tradition fortführen“, so Yilmaz Ozan. Währenddessen wurde erst einmal über die Maps für das Spiel diskutiert. „Ich will unbedingt train gegen faculty spielen, Navid“, warf Franz Burghardt in den Raum. Die prompte Antwort des Kalifen lies nicht lange auf sich warten: „Das kannst du vergessen Franz, ich will inferno und dust2 spielen!“ – der Chef hatte gesprochen. „Stell dich mental drauf ein“, fügte Navid Javadi mit einem verschmitzen Lächeln hinzu.
Er sollte seine Wünsche erfüllt bekommen, jedenfalls zur Hälfte. Am Ende waren tuscan und inferno die Maps, die mousesports den Sieg bringen sollten. Auch wenn Team-Manager JulZ lieber inferno als Startmap gehabt hätte, das Finale wurde auf tuscan eingeleutet. Wie so oft an diesem Wochenende war die Pistolround wieder mal nicht mit Glück gesegnet und ging an das als CT startende Team von n!faculty. Dann aber legte mousesports los und zeigte n!faculty einiges aus dem Lehrbuch von Taktikgenie JulZ. Auch er trug einen wichtig Teil zum Sieg seines Teams bei, so gut wie das ganze Wochenende schaute er sich Demos an und analysierte den Gegner bis aufs kleinste Detail. Nach dem Seitenwechsel schien n!faculty sich jedoch gefangen zu haben und es wurde noch einmal knapp für die Jungs von mouz. Letztenendes konnten sie aber den Sack zu machen und die erste von zwei nötigen Maps für sich entscheiden. Wieder scheint das Timeout zur perfekten Zeit genommen worden zu sein. Somit bleibt mouz weiterhin ungeschlagen auf de_tuscan.
Auf dem Weg zum Titel - mousesports (Foto: esl.eu)
Da war sie also, eine einzige Map, die mousesports vom lang ersehnten Titel trennte. Eine Map, die eine Trennlinie zwischen vollem Erfolg und dem erneuten unglücklichen zweiten Platz zog. „Nach dem Drama gegen Alternate ist alles für uns möglich, wir schlagen n!faculty auch auf zwei Maps“, so der neue Träger des MVP-Titels, Antonio Daniloski, am Nachmittag. Und er sollte Recht behalten, denn auf inferno sah das Team von n!faculty einfach kein Land mehr. Die Mannen von mousesports hingegen feierten jede Runde, des Öfteren sah man „die Franz Faust“ hinter dem Bildschirm empor schnellen. Auch Ansager Fatih Dayik hielt es selten auf seinem Stuhl aus, immer wieder Stand er auf, um seine Teammates zu feiern und weiter zu motivieren. Sie wollten einfach nichts mehr als den Sieg, nichts mehr, als beweisen, dass die Niederlage im Winner-Bracket-Finale ein Ausrutscher war und womöglich größtenteils an einer Map namens de_cbble lag. Am Vortag sprach man sich wiederholt gegen die CT-lastige Map aus. „Wenn es nach uns ginge, würde cbble schon längst nicht mehr im Mappool sein“, sagte mousesports-Manager Cengiz Tüylü. Doch der Vortag war jetzt ganz und gar Geschichte, jedenfalls die Niederlage gegen n!faculty war aus den Köpfen der Jungs verschwunden. Lediglich die unglaubliche Leistung gegen Alternate war noch nicht vergessen worden, wozu auch, sie beflügelte die Mäuse noch zusätzlich.
Im Spiel auf inferno passte einfach alles bei mousesports. Der ehemalige MVP Manuel Makohl stand im großen Sandkasten wie eine Wand und traf einfach alles, was den Namen n!faculty trug. Sein Nachfolger Antonio Daniloski gab unfassbare AWP-Headshots durch zwei Smokes am B-Spot. Was am Vortag Moderator Andreas Lenski über das Spiel von Alternate sagte, passte jetzt vorzüglich zu mousesports. „Ich habe das Gefühl, die Zahnräder greifen hier einfach ineinander“, so Lenski beim Consolation-Final zwischen mousesports und Alternate. Auch die Stimmung in der Halle stimmte, immer öfter hoben sich Chöre mit „mousesports“-Rufen vom mehr oder minder normalen Lautstärkepegel ab. Faszinierend war auch das Spiel des Kalifen, nach Meinung eines Zuschauers. „Er dropt einfach seine Waffe, nimmt die Nächste auf und drückt ihm `nen Headshot – einfach Wahnsinn wie er da so cool bleiben kann. Er geht halt ohne Russenduck oder so einfach rum und macht eiskalt die Runde klar“. Mit diesen Worten beschreibt er eine 1on1-Aktion Navids am B-Spot zuvor auf de_tuscan.
mousesports mit dem Pokal
(Foto: esl.eu)
Die erste Hälfte ging eindeutig an den bis dato fünfmaligen Meister. Ob das klare Ergebnis nun an dem starken Spiel von mousesports lag oder vielleicht auch an negativen Faktoren beim Team n!faculty sei dahingestellt. Die Mannen rund um chrizzo waren das Überraschungsteam der Saison und blieben auch auf den Finals über den Erwartungen vieler. Verstecken brauch sich dieses Team auf keinen Fall. An diesem Abend war mousesports vielleicht einfach nur eine Nummer zu groß bzw. konnten ihre Turniererfahrung ausspielen. Treu nach dem Gedanken „im Finale können wir ja auch mal ein paar Pistolrounds holen“, wurde auch die erste Runde der Terrorseite gespielt. Ein Aufbau über das Haus war hier der Schlüssel zum Sieg. Danach war es nur noch reine Formsache, da n!faculty kein Geld hatte, um wirklich viel entgegenzusetzen. Verloren hatten sie natürlich noch nicht ganz, aber den Sieg vermutlich bereits abgeschrieben. Dementsprechend feierten die mouz-Akteure weiterhin jede gewonnene Runde und damit den Countdown bis zum sechsten ESL Pro Series-Titel.
Die letzte Runde bricht an. Es wird einer geholt, es werden zwei geholt, auch Spieler drei und vier folgen alsbald. Wie schwer es war sich zu beherrschen und nicht schon jubelnd aufzuspringen dürfte jeder nachvollziehen können. Lange lies aber auch der fünfte Spieler von faculty nicht auf sich warten und sah sich den Boden von de_inferno schnell genauer an. Der Jubel von mousesports war grenzenlos. Nach zwei verlorenen Seasons hatte man den Pokal wieder gewinnen können und das sogar in Form eines doppelten Finales an diesem Wochenende. Das Spiel gegen Alternate hatte, obwohl es nicht um den Titel ging, einen Charakter, der dem des Finals in nichts nachsteht. Wenige Minuten nach dem Spielende hielten die Spieler dann die Belohnung für ihre Leistung in den Händen: Den Pokal der ESL Pro Series XII. Ein glorreicher Moment, der weiteren Ansporn für Erfolge bieten dürfte. Mit dem Glanz des Pokals wäre dann das Ereignis eingetreten, welches so oft an diesem Wochenende zu lesen war. Mousesports, ein Sommermärchen.
User
sauber ! War aber auch n Geiles Spiel oO