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Wie seid ihr damals auf gore aufmerksam geworden?

 

Yilmaz Ozan: Meine erste Begegnung mit gore war glaube ich im Jahr 2001 auf der CPL Berlin. Damals habe ich aus Spaß mit meinem Internet Café-Team an dieser CPL teilgenommen, da sie eben in Berlin stattgefunden hat. Überraschenderweise haben wir sogar die Gruppenphase überstanden, aber in der ersten Playoff-Runde spielten wir dann gegen das österreichische Team Serious Dedication. Als die Begegnungen bekannt waren ernteten wir von den anderen deutschen Teams einige mitleidige Blicke und Sprüche wie "Viel Spaß mit denen..." fielen. In eben diesem Team spielten unter anderem gore und Papst und die Jungs haben uns dann, wie bereits von vielen vorhergesagt, ziemlich auseinander genommen. Aus SDD wurde dann später der sehr erfolgreiche Clan Infernum.

 

Im Jahr 2002 haben wir dann mit mousesports in sehr schneller Reihenfolge zwei Mal gegen Infernum gespielt und verloren. Bei diesen Begegnungen fielen uns vor allem die Spieler Impi mit seiner AWP und gore wegen seinem verrückten Spielstil und Skill auf.  Zu dieser Zeit stand bei uns die Inaktivität von Sebastian S. an, der wegen seiner Arbeit kürzer treten musste. Nach einigen Überlegungen und Diskussionen, ob man nicht deutsche Spieler in einen deutschen Clan integrieren könnte, entschlossen wir uns an die Spieler heranzutreten. Die beiden stimmten relativ schnell zu und traten wenig später mousesports bei.

 

 

Was macht gore so besonders? Warum setzt ihr fast sechs Jahre lang auf ein und denselben Spieler?

 

Yilmaz: gore hat eine Einstellung zum professionellen eSport, die ihresgleichen sucht im deutschsprachigen Raum. Er ist einer der wenigen Spieler, die man wirklich Progamer nennen kann. Franz war eigentlich immer zu 100 Prozent bei der Sache und hat oft genug, als es mal schlechter lief, Verantwortung im Team übernommen und dafür gesorgt, dass es wieder aufwärts geht.

 

 

Habt ihr nie an eine Auswechslung seiner Position gedacht?

 

Yilmaz: Es kommt äußerst selten vor, dass ein Spielerwechsel vom Management gefordert wird. Wenn das Team mit sich zufrieden ist und der Erfolg da ist, wird kein vernünftiges Management auf der Welt einen Spieler auswechseln. Spielerwechsel kommen dann zur Sprache wenn es mal schlechter läuft oder es zwischenmenschliche Probleme gibt und werden meist vom Team selbst gefordert. Man setzt sich mit dem Team zusammen und versucht heraus zu finden woran oder an welchen Spielern es liegen könnte. Und genau da liegt die große Stärke von gore. Es kam einfach nie der Wunsch vom Team gore auszuwechseln, damit sich irgendetwas bessert. Daraus schlussfolgere ich, dass alle Spieler mit ihm zufrieden waren und gerne mit ihm zusammengespielt.

 

Wenn man sechs Jahre in einem Clan spielt macht man natürlich Fehler und auch gore hat Fehler gemacht, die ein Management dazu bringen könnten über Konsequenzen nach zu denken. So hat er zum Beispiel eine Fahrt zur CPL nach Dallas weniger als 24 Stunden vor Reisebeginn abgesagt und so erhebliche Mehrkosten für den Clan verursacht. Wir spielten das Turnier mit ahl und erreichten trotzdem einen guten vierten Platz. Aber selbst nach solchen Situationen hat sich das Team voll hinter ihn gestellt und hat nie Zweifel an seiner Position aufkeimen lassen. Das war aber auch das einzige Mal, dass über gore diskutiert wurde und ich glaube, dass die wenigsten Spieler einen solchen Ausrutscher, egal in welchem Clan, ohne ernste Konsequenzen überstanden hätten.

 

 

Wie habt ihr damals den Wechsel zu Infernum gesehen?

 

Yilmaz: Das war schon eine Enttäuschung, aber den gore von damals kann man mit dem gore von heute nicht mehr vergleichen. Damals hat er erst für kurze Zeit bei uns gespielt und es war auch noch keine allzu starke Bindung zu mousesports vorhanden. Ich denke, er hat sich damals von einigen Spielern auf eine Art beeinflussen lassen, wie es ihm heute nicht mehr passieren würde.

 

 

Gibt es "Macken" an gore, die euch stören?

 

Yilmaz: Eigentlich kenne ich gar keinen Spieler, der gar keine Macken hat und natürlich hat auch gore seine Macken. Diese haben aber nichts oder nur indirekt mit Counter-Strike zu tun. Ich spreche aber nur über eine Macke, die er Gott sei Dank weitgehend abgelegt hat, seine berüchtigte Flugangst. gore ist eine der Personen, die wirklich Flugangst hatten und sich damit auch ernsthaft beschäftigt haben. Einmal erzählte er mir während eines Fluges doch tatsächlich welche Flugzeuge die sichersten sind und welche wie oft abstürzen. Ein sehr passendes Thema während eines Fluges und eine sehr passende "Macke" für jemanden, der mehrmals im Jahr quer durch die Welt fliegt.

 

So sollte ich ihn während der Cyber X Games in Las Vegas vom Flughafen abholen. Sein Flug kam ein paar Stunden später an, da wir ja aus Deutschland kamen und er aus Österreich. Ich machte mich mit django und Blizzard zum Flughafen auf, um ihn abzuholen. Sein Flugzeug landete und ein Passagier nach dem anderen kamen aus dem Gate - außer gore. Wir dachten natürlich, dass wir am falschen Gate seien und so rief ich gore an, um zu fragen wo er sich befinde. Zu unserem Erstaunen teilte uns gore mit, dass er sich noch in Österreich befände und unter keinen Umständen einen solchen langen Flug alleine bewältigen würde. Nach mehreren Diskussionen konnten wir ihn aber doch noch dazu überreden in ein Flugzeug zu steigen, was er aber nur tat, da wir ihm Papst als Begleiter organisieren konnten. Da das Turnier der Cyber X Games ausfiel und Papst somit viel Zeit hatte Las Vegas zusammen mit dem Team zu erkunden, wird das Opfer wohl nicht allzu groß gewesen sein.

 

Aber wie gesagt, gore hat dank der vielen Events, auf die wir ihn "gezwungen" haben, diese Flugangst überwunden und kann jetzt ohne Probleme jede noch so lange Flugreise antreten. Da fällt mir noch eine weitere Macke ein, die er längst abgelegt hat. Er hat sich früher ernsthaft geweigert auf LANs oder Events zu spielen, bei denen man am PC nicht rauchen durfte. Aber das war zum Glück vor seiner Zeit bei mousesports.

 

 

Wie würdet ihr die Position von gore im Team beschreiben, die sich sicherlich nach einer so langen Zeit geändert hat. Ist er immer noch "nur" Spieler oder wird er beispielsweise in Wechselentscheidungen mit einbezogen?

 

Yilmaz: gore ist mit seiner Erfahrung eine Stütze für das ganze Team. Aber so richtig verändert hat sich seine Rolle nicht. Er war noch nie einer, der die ganze Zeit reden musste. Trotzdem ist er jemand, dem man einfach zuhört wenn er etwas sagt - egal ob Spieler oder Management. Bei Wechselentscheidungen wird gore natürlich mit einbezogen, genauso wie der Rest des Teams. Es kann keine erfolgreichen Wechsel geben, bei denen die Spieler von der Entscheidung ausgeschlossen werden. Natürlich hat das Wort einiger Spieler mehr Gewicht als das anderer und gores Meinung zählt sicherlich zu den Gewichtigeren.

 

 

Wie lange plant ihr noch mit ihm?

 

Yilmaz: Kein Clan wechselt grundlos und gerne seine Spieler aus. Es gibt einfach so viele Faktoren, die das beeinflussen und die wohlüberlegte Planung über den Haufen werfen, dass man das nicht so einfach beantworten kann. Solange er gut und erfolgreich spielt und das Team sich gut versteht gibt es keinen Grund nicht mit ihm zu planen.

 

 

Würdet ihr mit gore auch nach seiner aktiven Zeit als Spieler planen? Ihn beispielsweise als Teammanager einsetzen.

 

Yilmaz: Das hängt vielmehr von ihm als von uns ab. Jeder Clan kann sich nur wünschen solch einen erfolgreichen Spieler nach seiner aktiven Laufbahn im Management zu begrüßen. Das Beispiel Chucky zeigt ja, dass es sehr gut funktionieren kann. Aber Chucky ist glaube ich auch der einzige, der das wirklich gut hinbekommen hat und den eSport gibt es noch nicht so lange, als dass es viele Spieler gibt, die aufgrund ihres Alters aufgehört haben zu spielen. Es waren meist andere Gründe, die dann auch den Einsatz als Manager ausschlossen. Aber wenn gore irgendwann aufhören sollte zu spielen und wirklich noch daran Interesse haben sollte im eSport tätig zu sein, wird mousesports seine erste Anlaufstelle bilden.

 

 

Das Interview führte Jan "jps" Schnitzler.

Kommentare

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#1 - 03.05.2008 (17:59)

pwL!
User

"Nach einigen Überlegungen und Diskussionen, ob man nicht deutsche Spieler in einen deutschen Clan integrieren könnte[...]"

welche deutschen spieler ?
#2 - 03.05.2008 (20:29)

exitus :x
User

vllt deutsche spieler die damals verfügbar waren?
#3 - 03.05.2008 (20:37)

pwL!
User

"Die beiden<--- stimmten relativ schnell zu"

also waren die beiden deutsche oder was ?
#4 - 04.05.2008 (00:23)

Instinct // STeVe
User

omg leute..des heißt "nichtdeutsche Spieler",d.h. ob man gore, der ja österreicher ist, in einem deutschen clan integrieren kann..ich weiß da steht es auseinandergeschrieben, aber mit ein klein bisschen nachdenken kommt man da auch selber drauf wenn man den inhalt verstanden hat
#5 - 04.05.2008 (01:46)

pwL!
User

asooo xD hätten die lieber "ausländische Spieler" schreiben können
#6 - 04.05.2008 (13:49)

mouz|jps
Journalist

Es ist sicherlich etwas unverständlich ausgedrückt, allerdings ist folgendes damit gemeint: Damals spielten fünf deutsche Spieler im Team und man hat überlegt, ob man anstatt gore und Impi - die ja beide aus Österreich kommen - deutsche Spieler finden kann, da mousesports ja ein deutsches Team ist. Letztendlich hat man sich aber doch für die beiden (gore, Impi) entschieden.
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