Die Spielerinnen Carolin "caroLin" Babylon und Antonia "antonia" Jilek sind keine unbekannten Gesichter in der Counter-Strike Female-Szene, seit August 2006 spielen sie für das Team von mousesports. Auf den letzten ESL Major Series CS Female Finals, welche im Januar stattfanden, belegte das Team den zweiten Platz und vor kurzer Zeit gewannen sie zum zweiten Mal das Girls Clan War Tournament, kurz GCWT. Jetzt steht das Team in der Anfangsphase der EMS Season II. Im Interview sprechen die beiden Frauen über ihre Anfänge im eSport, die momentane Form des Teams und die Vorbereitung auf die nächsten Events.
Carolin bei den EMS Finals im Januar
mousesports: Hallo ihr Beiden! Da die Meisten euch nur durch die spielerischen Aktivitäten bei mousesports kennen und viele nicht wissen, was ihr im normalen Leben macht. Erzählt doch bitte was sich dahinter verbirgt.
Carolin "caroLin*" Babylon: Im normalen Leben bin ich Schülerin eines Gymnasiums und verbringe die meiste Zeit, neben dem Spielen damit, mich auf die verschiedenen Aufgaben des Schüleralltags vorzubereiten, was nicht immer ganz einfach ist. Im Normalfall startet mein Alltag um 5:15 Uhr morgens mit dem Aufstehen und endet abends gegen 17 / 18 Uhr, wenn ich wieder zu Hause eintreffe. Für gewöhnlich fängt unser Training dann auch schon gegen 19 Uhr an und wie man sich vorstellen kann, ist es manchmal recht schwierig keines der beiden Dinge zu vernachlässigen, wobei die Schule auch bei uns immer Vorrang hat. Die Wochenenden verbringe ich dann fast ausschließlich mit meinem Freund und da kommt dann das Feiern mit Freunden auch nicht zu kurz :)
Antonia "antonia" Jilek: Momentan bin ich mitten im Abitur und werde nächsten Monat, falls ich das denn schaffe, meine Prüfungen haben. Es ist also derzeit alles sehr stressig, da ich zum einen viel lernen muss und zum anderen auch viel mit dem Team spiele, um die kommende ESWC Qualifikation zu gewinnen. Ansonsten verbringe ich die Tage hauptsächlich mit meinem Freund und am Wochenende mach ich dann auch gerne Party mit Freunden.
mousesports: Bei euch erübrigt sich die Frage nach der Herkunft der Nicknamen, jedoch wäre interessant zu wissen wie man als Frau Kontakt zum eSport bekommt. Woher kommt bei euch zudem speziell das Interesse für Counter-Strike, wie habt ihr angefangen?
Carolin: Ich denke der Übeltäter war in diesem Fall mein Bruder, wenn auch unbewusst. Als ich noch klein und süß war und nicht über einen eigenen Computer verfügte, widmete ich mich dann des Öfteren dem meines Bruders. Dieser war natürlich schon älter und spielte auch dementsprechende Spiele, die ich natürlich auch überaus interessant fand. So kam es, dass ich dann anfing mit Command & Conquer Alarmstufe Rot, wobei meine Mutter das damals noch nicht unterstützte. Weiter ging es später mit Counter-Strike. Dazu kam es bei einem Gespräch mit einem damaligen Klassenkameraden, welcher mir das Spiel dann auch bereitwillig zur Verfügung stellte. Seitdem bin ich dann wohl daran hängen geblieben, wie man heute sehen kann.
Antonia: Auch mein Bruder ist Schuld daran, dass ich mit Counter-Strike angefangen habe. Anfangs habe ich
hauptsächlich in irgendwelchen Chatrooms rumgechattet und mit PC-Spielen nichts am Hut gehabt, bis mein Bruder bei uns zu Hause eine Lanparty veranstaltete und ich zum ersten Mal richtig auf das Spiel aufmerksam wurde. An meinem Geburtstag wollte ich dann unbedingt mal dieses Spiel spielen und statt irgendeine Feier zu organisieren, saß ich dann den ganzen Tag am Rechner und "spielte" auf Publicservern, bzw. es zumindest versuchte. Wie auch Caro bin ich schließlich daran hängen geblieben. Dazu muss ich sagen, dass ich es keineswegs bereue, mit dem Spiel angefangen zu haben.
mousesports: Wann war für euch klar, dass ihr nicht nur zum Spaß spielt, sondern den eSport auf professionellem Wege betreiben wollt?
Antonia: Naja, also das war ziemlich durchwachsen. Mein erster richtiger Clan war tuRs.female, damals sogesehen das zweitbeste deutsche Female-Team, glaube ich. Aber das Team löste sich nach circa drei Monaten leider auf. Zu der Zeit war ich eigentlich noch total unerfahren, aber spielte sogesehen täglich und konnte mich daher von Tag zu Tag verbessern. Ich hatte damals schon nette Angebote bekommen, was Teams angeht, allerdings war ich immer zu jung und durfte noch nicht auf Lans fahren. Nachdem ich dann bei killahbabes gespielt habe, ging teilweise das Gerücht rum, ich würde cheaten, da ich ja zu der Zeit bisher noch immer auf keiner Lan war. Ich verbrachte also meine Zeit damit, fast nur 2on2-Matches zu spielen und spielte dabei mit vielen Jungs zusammen, so dass ich noch einiges lernen konnte. Jedoch verging mir nach einer Weile die Lust am Zocken. Daraufhin habe ich ungefähr ein halbes Jahr pausiert, bis ich dann schließlich ein Angebot von mousesports bekam. Sogesehen wäre ich also schon früher bereit gewesen, professionell zu spielen, aber aufgrund des Alters war das leider nicht möglich.
Carolin: Einen genauen Zeitpunkt dafür gab es bei mir glaube ich nicht. Es fing so langsam damit an, dass ich bemerkte, ich könne durchaus mit den anderen weiblichen Spielern und natürlich auch männlichen Spielern mithalten. Nach der Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften auf der Games Convention 2005, mit einem damals noch bitteren 4. Platz, war mir klar, dass ich dies nicht so einfach auf mir sitzen lassen konnte. Seitdem spielte ich regelmäßig in immer besser werdenden Teams und wie man heute sehen kann, hat sich die Arbeit tatsächlich gelohnt.
mousesports: Was sagen eure Eltern und Freunde dazu? Immerhin seid ihr ja öfters mit anstehenden Pflichtspielen beschäftigt oder auf Events unterwegs.
Antonia: Meine Familie unterstützt mich sehr gut. Sobald ich spielen muss, versuchen meine Geschwister meinen Ping nicht zu beeinträchtigen. Da meine beiden älteren Brüder selber CS gespielt haben, informieren sie sich auch selbst über die anstehenden Spiele und Events oder fragen nach. Meine Mutter hatte damals überhaupt keine Ahnung von dem Spiel, doch mittlerweile schaut auch sie, sobald ich auf einem Event bin und dort spiele, HLTV. Was meine Freunde angeht, wissen überwiegend nur die männlichen, dass ich CS spiele, bzw. können damit ein wenig was anfangen. Meine weiblichen Freunde kennen sich mit dem Spiel eigentlich überhaupt nicht aus. Es wissen auch nur ein paar, dass ich Counter-Strike spiele. Jedoch hab ich bisher noch nichts negatives, auf das Spiel bezogen, in Erfahrung gebracht.
Carolin: Meine Mutter sowie meine gesamte Familie unterstützen mich, wo sie nur können. Als sie bemerkten, dass es nicht nur ein einfaches Computerspiel für mich ist, sondern weitaus mehr als das, interessierten auch sie sich sehr dafür. Es gab eigentlich nie jemanden der sich dagegen stellte, oder mich negativ beeinflussen wollte. Auf meinem ersten großen Event (Games Convention 2005), setzte sich meine Mutter (und Anhang) mit mir in den Zug und fuhr mit nach Leipzig. Sie erkundeten dann die Stadt und besuchten mich auch vor Ort auf der Messe. Mittlerweile richtet sich das gemeinsame Essen am Sonntag Abend schon nach meinen Spielzeiten. Ich kann mich also wirklich nicht beschweren. Meine Freunde sind da nicht anders. Sie finden es total interessant, wenn ich davon erzähle was ich zuletzt wieder erlebt habe. Anfangs konnten sie sich das nur schwer vorstellen, wobei das ja verständlich ist, wenn man sich nicht in der Materie auskennt. Doch heute unterstützen auch sie mich wo sie nur können.
mousesports: Nun gibt es ja immer wieder Vorurteile gegen Frauen im eSport, habt auch ihr damit zu kämpfen?
Carolin: Natürlich haben auch wir damit zu kämpfen. Welche Frau im eSport hat das nicht? Da spielt es keine Rolle bei welchem Team man spielt und dass man auch Männern durchaus den Hintern versohlen kann. Aber das ist wohl eine Sache, die sich nie ändern wird. Dass einige von uns, wie zum Beispiel ich, schon mit einem Male-Team in der EAS 1st / 2nd Division gespielt haben, ist den Wenigsten bewusst. Doch mittlerweile macht sich denke ich niemand von uns mehr etwas aus solchen Kommentaren, da steht man einfach drüber. Wir wissen ja, wofür wir das machen.
Antonia: *lacht* Ich denke, das ist eigentlich in jedem Spiel so, dass die Männer meinen, irgendwelche Kommentare von sich zu geben, um von sich selbst abzulenken, weil sie vielleicht selber schlechter sind?
Mir ist es egal, was irgendwer gegenüber Frauen im eSport sagt. Ich weiß was ich kann und ich denke, das haben auch schon einige Männer zu spüren bekommen.
mousesports: Wie geht ihr mit Kritik um? Nehmt ihr zum Beispiel Tipps der Männer an oder bleibt ihr da lieber unter euch?
Carolin: Kritik ist bei uns gerne gesehen. Wie man vielleicht bei unseren letzten beiden Events sehen konnte, haben wir auch mit männlicher Unterstützung hinter unseren Rücken gespielt. Es ist manchmal einfach von Vorteil, wenn jemand, der sich selbst mit dem Spielgeschehen auskennt, Tipps und Vorschläge zum Spiel einbringt. Ich denke da kann ich für das gesamte Team sprechen und sagen, dass wir in manchen Situationen ohne Hilfe doch sehr aufgeschmissen gewesen wären. Unter uns bleiben steht und stand denke ich nie zur Debatte. Dadurch, dass wir fast ausschließlich gegen Male-Teams trainieren, ist das auch so gut wie nicht möglich.
Antonia: Wie Caro schon erwähnte, haben wir mit Kritik überhaupt kein Problem. Wir sind froh, wenn wir Tipps bekommen und uns dadurch geholfen wird. Unser Ziel ist es, uns kontinuierlich zu verbessern und vielleicht auch irgendwann als Female-Team oben in der EAS mitzuspielen oder eventuell das weltweit beste Female-Team zu sein. Da es nun mal auch männliche Spieler gibt, die schon über acht Jahre spielen, haben sie daher mehr Erfahrung und können uns dadurch auf jeden Fall helfen. Weibliche Spieler gibt es nun mal noch nicht so lange, bzw. spielen noch nicht so lange, wodurch demnach auch teilweise die Erfahrung fehlt.
Antonia hochkonzentriert
mousesports: Ihr spielt in diversen offiziellen Turnieren und Ligen immer unter euch Frauen. Wird das generell und auch weiterhin so gehandhabt oder wird sich da was ändern?
Antonia: Wir werden weiterhin an so vielen Turnieren und Cups teilnehmen wie möglich. Allerdings wollen wir natürlich auch so schnell es geht in die EAS einsteigen. Dort sind nun mal derzeit, soweit ich weiß, nur männliche Teams vertreten. Wir hoffen, dass die EAS uns hilft, mehr Erfahrung sammeln zu können, da das gegen weibliche Gegner leider nicht immer so ist.
Carolin: Ich denke nicht, dass sich auf kurz oder lang an dieser Situation etwas ändern wird, zumindestens nicht solange ich noch CS spielen werde. Die Veranstalter planen diese Turniere oder Events und wir können uns dann nur qualifizieren oder einschreiben, so wie beispielsweise auf den anstehenden ESWC National Finals. Meiner Meinung nach bringt es den Betreibern solcher Turnieren oder Ligen größere Vorteile was PR angeht und deshalb besteht für sie denke ich kein Grund, etwas an ihrer Vorgehensweise zu ändern.
mousesports: Kommen wir zu eurem Team. Momentan seid ihr sechs Mädels im Team, das ursprüngliche Line-Up bestand nur aus fünf Spielerinnen. Wie und wann habt ihr euch damals zusammengefunden?
Carolin: Anfangs variierte das Line-Up sehr. Das ursprüngliche Team bestand bei dem Übergang von catz zu mousesports aus: Angel, antonia, beyoNd*, n i c i, nknknk und mir als Ersatzspielerin (unter anderem, da ich meine Volljährigkeit noch nicht erreicht hatte). Nach kurzer Zeit gab es immer wieder Probleme und alles lief nicht so recht, so dass ich dann anstelle von beyoNd* in das Lineup eingefügt wurde. Nach vielem Hin und Her, einem Kick von beyoNd* und mir, der Wiedereinstellung von uns ins Team und dem Kick von Angel und Tanu, welche als Team-Managerin fungierte, fing die Sache langsam an zu laufen. Wir spielten unser Ding gemeinsam als ein Team und wurden von Zeit zu Zeit besser. Diese Begabung konnten wir dann auf den Zockerweibchen-Finals Ende letzten Jahres unter Beweis stellen und besiegten dort unsere direkte Konkurrenz aTTax und n!faculty.
Antonia: Durch diese Komplettänderung bezüglich des Teams, muss ich sagen, dass wir enorme Fortschritte gemacht haben. Wir kennen uns mittlerweile alle sehr gut und reden nicht nur noch miteinander, wenn wir Training haben, sondern auch außerhalb, was ich persönlich als sehr wichtig empfinde und was mich natürlich auch freut. Nach unserem Zockerweibchencup entschied sich beyoNd* inaktiv zu gehen, da sie aufgrund ihrer Ausbildung kaum noch Zeit hat. Damit hoffe ich auch, dass irgendwelche Gerüchte, von wegen, sie wäre zu schlecht gewesen oder ähnliches, aus der Welt geschafft werden.
mousesports: Eine Zeit lang schon spielt beyoNd* nicht mehr im Standard Line-Up, sie wurde durch Llo ersetzt. Wie und warum kam der Wechsel zustande?
Carolin: Noch auf dem oben genannten Event, teilte uns beyoNd* mit, dass sie aus privaten Gründen einfach nicht mehr viel Zeit für das Spielen aufbringen könne. Für uns war diese Nachricht ein Schlag ins Gesicht, denn endlich hatten wir unser Ziel erreicht und nun sollte die ganze Arbeit umsonst gewesen sein. Sofort machten wir uns auf die Suche nach einer geeigneten Spielerin, die sowohl von ihrem Charakter als auch spielerisch in unser Team passte. Laura war in diesem Fall wohl die beste Wahl die wir treffen konnten und wir freuen uns sehr, dass auch sie sich für unser Team entschieden hat.
Antonia: Die Finals des Zockerweibchencups verliefen für uns anfangs mehr als gut, denn zum ersten Mal haben wir es geschafft, aTTax und dazu noch n!faculty bei einem Offline-Event zu besiegen. Die dortigen Spiele gingen für uns sehr gut aus. Unser Team war so happy wie noch nie und es hätte für beyoNd* ein perfekter Abgang werden können. Doch wie wahrscheinlich schon vielen bekannt, sollte dies wohl nicht so sein. Da eine unserer Spielerinnen mit einem unerlaubten ex_interp Wert spielte, was uns selber Ingame nicht aufgefallen ist, wurden die stattgefundenen Spiele nie publik. Zu der Zeit schien es, als würde für uns alles den Bach herruntergehen. Wir mussten also eine neue Spielerin finden. Nach langem Überlegen und einigen Testgames, entschieden wir uns schließlich mit Llo, die damals schon bei ID Gaming gespielt hat, das Line-Up wieder zu vervollständigen.
User
und die mädels natürlich saubere antworten