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Seit einigen Tagen hält sich ein schauriges Gerücht in der Unreal Tournament-Community: Die Organisatoren des bis heute höchstdotierten UT-Turniers überhaupt, schockten Spieler, Teams sowie Zuschauer gleichermaßen mit dem Entschluss, das Preisgeld in Höhe von umgerechnet über 60.000 US-Dollar komplett an das siegreiche Team zu übergeben. Der beste Duell-Spieler darf insgesamt 42.000 US-Dollar mit nach Hause nehmen. Zwar sind diese Gerüchte nach wie vor nicht vom Veranstalter EnemyDown bestätigt worden, doch ein klares Dementi der hochrangigen Organisatoren ist auch nicht zu bekommen.
Als möglicher Grund für diese eher ungewöhnliche Entscheidung im eSport wurden die hiesigen Medien angegeben. Für einen TV-Sender ist es nunmal deutlich lukrativer, wenn der quotenbringende Zuschauer am Ende ein Team oder einen Spieler mit einem riesigen Haufen Preisgeld auf der Bühne sieht. Auch für die Sieger ist dieses Szenario auf keinen Fall ein Albtraum. Doch wo bleibt die sportliche Fairness gegenüber den restlichen Teilnehmern, wenn man - in der Absicht dem Sieger ein hohes Preisgeld auszuzahlen - die restlichen 99% der Spieler komplett leer nach Hause schickt? Nicht einmal die marginalen Hardware-Preise für die Verfolger können auch nur annäherend über diese grobe Unsportlichkeit hinwegtäuschen.
kiLLu trainiert für das große Geld.Jedes der teilnehmenden Teams macht sich während der Vorbereitungszeit Gedanken über das bevorstehende Turnier. Spielen wir die Situation doch einmal durch: Auch wir sind mit unserem UT-Team sowie allen Duell-Spielern mit von der Partie. Zuerst müssen wir uns durch eine Online-Qualifikation schlagen, die jedoch ausschließlich auf englischen Servern ausgetragen wird. Die Idiotie, dass sich selbst zwei deutsche Teams auf einem britischen Server mit wettkampffernen Pings messen müssten, haben die Verantwortlichen nach mehreren Wochen wohl allerdings verstanden und glaubt man neuesten (natürlich inoffiziellen) Meldungen, wurde diese Regel bereits modifiziert. Auf offizielle Stellungnahmen wartet man aber auch hier, wie schon so oft zuvor, wieder einmal vergebens.
Die Preisgeldverteilung spiegelt die bisherige organisatorische Glanzleistung wider. Hätte man das vorher gewusst, wären mit Sicherheit deutlich weniger Spieler dabei. Totaler Schwachsinn!
- Martin "kiLLu" Reimann
Mit Bestehen der Qualifikation, wovon wir eigentlich fest ausgehen, geht es für uns auf die Reise nach England, genauer gesagt ins Wembley Stadion. Dort werden am 15. und 16. März 2008 die Finalspiele ausgetragen. Somit entstehen für jedes nicht-britische Team (75% der Teilnehmer) zum Teil erhebliche Reise- und Unterkunftskosten - diese sollen allerdings angeblich vom Veranstalter übernommen werden. Nichtsdestotrotz muss sich jedes Team und jeder Spieler in den Wochen vor dem Turnier ausgiebig darauf vorbereiten, um später eine Chance auf den großen Reibach zu haben. Es wäre leichtgläubig zu denken, dies würde in keinem Konflikt mit Schule, Studium oder Beruf stehen. Alle Teilnehmer nehmen also im Vorfeld des Turniers teils erhebliche Strapazen auf sich, nur um am Ende dann womöglich mit leeren Händen dazustehen.
Ein Turnier lebt nicht allein vom Preisgeld, sondern von den Spielern, die teilnehmen. Das Interesse an der letztjährigen WSVG-Saison schwand merklich, nachdem Superstars wie Fatal1ty, Stermy oder Socrates ihre Quake 4-Karriere beendeten. Denn erst, wenn die bekannten Topstars dem Turnier beiwohnen und sich gegenseitig bis aufs Letzte duellieren, wird ein Turnier so richtig interessant. Doch mit einer solch unsportlichen Preisgeldverteilung werden Profi-Spieler eher abgeschreckt, als zur Teilnahme motiviert.
"Solange ich nicht Erster bin, finde ich die Verteilung natürlich ungünstig!"
- Christian "GitzZz" Höck
Ob inSi immer noch lacht, wenn er mal wieder leer ausgeht?Natürlich könnte man nun argumentieren, dass Profis es doch schaffen sollten, sich den Sieg und damit das große Preisgeld zu sichern - und natürlich werden sie dazu in der Lage sein, jedoch nur ein Einziger. Alle anderen haben ihre Zeit vergeblich für Trainingspartien geopfert. Auf diese Weise erhalten systematisch viele Spieler einen Motivationseinbruch für die kommenden Wochen. Darum fangen einige Spieler nun an, ein Bündnis zu schliessen, nach welchem der Sieger einen Teil des Preisgeldes am Ende nach einem vorher festgelegten System an die Verfolger verteilt. Doch sein wir mal ehrlich, wer würde auch nur einen kleinen Teil abgeben, wenn er soeben 62.500 US-Dollar gewonnen hat? Natürlich niemand - und somit sind auch solche Pläne zum Scheitern verurteilt, auch wenn so manch gutgläubiger Spieler das nicht realisieren mag.
Darum bleibt uns nur noch intensives Training, damit wir am Ende die lachenden Sieger mit vollen Taschen sind und die Hoffnung, dass kein Turnierveranstalter dieser Welt sich jemals ein Beispiel an dieser wirklich unfairen Preisgeldverteilung nehmen wird. Denn so kann man sich nicht sicher sein, was einem lieber wäre: Ein Turnier mit einer absolut einseitigen Verteilung des Preisgeldes oder ein Veranstalter mit akuter Zahlungsunfähigkeit. Beide Versionen machen den eSport nicht gerade attraktiver.

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