Khaldor gehört schon seit Jahren zu den Urgesteinen in der deutschen WarCraft III-Szene. Vielen ist er als Shoutcaster bekannt und man kann ihn auf jedem größeren Event antreffen und ihn live bei seiner Tätigkeit zuschauen und zuhören. Er arbeitet aber nicht nur als Shoutcaster bei dem bekannten Label GameSports, sondern hat seine Fühler auch im Management ausgestreckt.
Wir haben ihn ausführlich über seine Arbeit bei GameSports, der NGL ONE, seinen Wünschen und Hoffnungen und über den ESWC befragt und es sind interessante Antworten ans Tageslicht gekommen.
mousesports.de: Du bist ein bekanntes Gesicht in der Szene. Auf diversen Offlineevents hört man dich des Öfteren ins Mikrofon schreien. Warum hat es gerade WarCraft III geschafft, dich in den Bann zu ziehen und kein anderes Spiel?
Thomas ' Khaldor' Kilian: Dazu muss man denke ich sagen, dass ich ein absoluter Fan von Blizzard bin und jeden veröffentlichten Titel förmlich verschlungen habe. Da ich außerdem auch ein Faible für das Fantasygenre im Allgemeinen und RTS-Games im Besonderen habe, übte WarCraft III auf mich natürlich eine entsprechende Faszination aus. Wofür ich mich gerade zu Anfangszeiten besonders begeistern konnte, war das Konzept der rassenspezifischen Helden und der Items, ein Konzept, welches Elemente aus früheren Blizzardtiteln wie Diablo mit den klassischen RTS Eigenschaften verband. Zwar tauchten ähnliche Ansätze bereits vorher in verschiedenen RTS Titeln auf, wurden jedoch nie so konsequent und durchdacht in das Spielsystem integriert.
mousesports.de: Blizzard hat ja vor kurzem Starcraft2 als nächsten Titel angekündigt, welche Rolle wird deiner Meinung nach StarCraft im eSports spielen?
Khaldor: Ich denke das StarCraft den eSports erheblich nach vorne bringen kann. Das Spiel könnte die Lücke zwischen Europa und Asien schließen, die in WarCraft III und natürlich auch in StarCraft immer noch existiert. WarCraft III kommt in Asien nicht an die Popularität von StarCraft:Broodwar heran und in Europa spielt dagegen StarCraft:Broodwar kaum eine Rolle. Der Hype der in Asien schon jetzt rund um SC2 existiert wird sicher dafür sorgen, dass der Titel sehr gut angenommen wird. Gleiches sehen wir auch in Europa, wo sich mittlerweile verschiedene professionelle Ligen etabliert haben die StarCraft2 sicher als Spiel aufnehmen werden. Dadurch sind die Weichen für einen internationalen Wettbewerb geebnet, wie es sie in der Blütezeit von StarCraft:Broodwar in Europa einfach nicht gegeben hat.
mousesports.de: Viele befürchten ja, dass Blizzard die Erwartungen an StarCraft2 nicht erfüllen kann und das Spiel einem Vergleich nicht standhalten kann. Bist Du der gleichen Ansicht und welche Auswirkungen erwartest Du auf WarCraft III?
Khaldor: Blizzard hat in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass sie einen sehr hohen Qualitätsstandard haben, daher hab ich auch im Hinblick auf SC2 keinerlei Befürchtungen in der Richtung. Gerade die Entwicklungszeit die man verstreichen ließ, bevor man den Titel auch offiziell ankündigte, zeigt, dass man sich den Erwartungen durchaus bewusst ist und hier Sorgfalt walten lässt.
Was die Auswirkungen auf WarCraft III angeht, geh ich davon aus, dass beide Spiele in den wichtigen Ligen vertreten sein werden. Mit der Zeit wird sich die Gewichtung sicherlich in Richtung SC2 verschieben, WarCcraft III wird jedoch nicht komplett aus der Szene verschwinden. Dafür spricht alleine schon die Zeit die sich StarCraft:Broodwar halten konnte und der langfristige Support seitens Blizzards.
mousesports.de: Seit 2005 bist du bei GameSports. Beschreibe uns deine Tätigkeiten dort und wie es dir dort gefällt.
Khaldor: Meine Aufgaben bei GameSports haben sich im Laufe der Zeit stark gewandelt. Ursprünglich bin ich dem Projekt als Shoutcaster beigetreten, da mir bei GameSports nach dem Niedergang von mymTw-Live eine Plattform geboten wurde mein Hobby weiter auszuüben. Nachdem ich anfangs eine Position als Leiter des WarCraft III Shoutcastbereichs noch rigoros abgelehnt hatte, identifizierte ich mich nach einiger Zeit immer mehr mit dem Projekt selbst was dann letztlich den Ausschlag dafür gab, dass ich mich auch über die reine Tätigkeit als Shoutcaster engagieren wollte. Inzwischen leite ich das gesamte Projekt zusammen mit Micha und Knochen was natürlich ganz andere Anforderungen mit sich bringt. Daher fehlt mir leider auch oftmals die Zeit in dem Umfang zu casten wie mir das früher noch möglich war.
Damit beantwortet sich denk ich auch fast schon die Frage wie es mir bei GameSports gefällt. Ich denke ich kann inzwischen mit Fug und Recht behaupten, dass ich eine der treibenden Kräfte hinter dem Projekt bin und sehe es daher auch teilweise als mein Baby an. Ich habe über GS viele Freunde gefunden, mit denen man sich auch immer wieder im RL trifft (und sei es nur auf den verschiedenen Events) und wollte die Zeit im Projekt sicherlich nicht mehr missen. Natürlich kriselt es auch bei uns immer mal wieder, aber insgesamt ist der Zusammenhalt im Projekt und innerhalb der Teams ausgeprägter als ich ihn bisher bei Projekten dieser Art erlebt habe.
mousesports.de: Was sind die Ziele von GameSports in Zukunft? Wird in absehbarer Zeit was Neues von euch kommen, oder ist nichts in dieser Hinsicht geplant?
Khaldor: Unser erklärtes Ziel ist es unseren Usern eine möglichst umfassende und qualitativ hochwertige Coverage der verschiedenen eSports-Ligen und Turniere zu bieten. Zwar steht bei uns auch der Spaß am Spiel und Entertainment mit im Vordergrund, was das Fachwissen und die Kompetenz angeht müssen wir uns jedoch nicht verstecken. Natürlich gibt es immer wieder Punkte die auch ein Caster nicht zu 100% wissen kann, oder im Eifer des Gefechts übersieht, aber insgesamt bin ich doch der Meinung dass GameSports eine Coverage bietet die Hand und Fuß hat und den Zuhörer bzw. Zuschauer auch am Spielgeschehen mitfiebern lässt.
Auch in Zukunft wollen wir uns natürlich nicht auf den Erfolgen und den Entwicklungen der Vergangenheit ausruhen sondern uns weiter verbessern. Dazu zählt für mich vor allem die derzeitige Arbeit ein einer neuen Homepage, die den heutigen Anforderungen besser gerecht werden soll. Zwar wird die Entwicklung sich noch über mehrere Monate hin erstrecken, aber ich denke, dass die Page mit ihren Features unseren Usern sehr entgegenkommen wird.
mousesports.de: Früher warst du der Teammanager unseres WarCraft III-Teams. Wie beurteilst du diese Zeit im Nachhinein? War es eine schöne Zeit, an die du mit Freude zurück denkst, oder gab es auch weniger schöne Erinnerungen, die du deshalb eher verdrängst?
Khador: Die Zeit mit dem WC3 Squad von mouz war sicherlich mit die Lustigste, die ich als Manager eines WarCraft III Teams hatte. Gerade die WC3L Finals in Kopenhagen waren eines der absoluten Highlights und entspannendsten Events auf denen ich je war (dicken Gruß an Blunx und Frog an der Stelle) (lacht)
Negative Erinnerungen hab ich an die Zeit bei mousesports eigentlich so gut wie keine. Es war manchmal sehr stressig und zeitintensiv (weswegen ich den Posten ja dann letzten Endes auch niederlegen musste), aber der Teamgeist und die tolle Atmosphäre zwischen den Spielern hat dies mehr als ausgeglichen. Ich finde es heute noch schön, wenn ich einige der Spieler wieder auf Events treffe wie jetzt kürzlich zum Beispiel HasuObs in Köln beim ESWC National Qualifier.
mousesports.de: Könntest du dir vorstellen, wieder ein Team zu betreuen, oder gibt es sogar konkrete Pläne?
Khaldor: Die Vorstellung wieder ein WarCraft III Team zu leiten ist natürlich immer verlockend und interessant. Allerdings fehlt mir heute wie damals schlicht und ergreifend die Zeit neben meinen Aufgaben als Projektleiter von GameSports und der NGL ONE in einem weiteren Projekt aktiv zu werden, dass derart Zeitintensiv ist. Aus diesem Grund gibt es hier auch keinerlei konkrete Pläne erneut in die Rolle des Teammanagers zu schlüpfen, auch wenn der Reiz natürlich immer da ist.
mousesports.de: Du kennst aus dieser Zeit noch einige Spieler. Wie schätzt du das momentane Lineup von mousesports ein? Haben sie dauerhaft Chancen, ganz oben mitzuspielen und das Niveau zu halten? Wo siehst du das Team in einem Jahr?
Khaldor: mousesports hat definitiv das Potential ganz oben mitzuspielen. Die Abgänge der letzten Tage sind in meinen Augen zu verschmerzen, da sie sich so oder so bereits abgezeichnet haben. Was mousesports ausmacht ist denke ich, dass die Langfristigkeit hier sehr wichtig ist. Das Team steigert sich kontinuierlich und trotz gelegentlicher Rückschläge zeigt der Trend doch immer wieder nach oben. Problematisch am aktuellen Lineup ist natürlich dass Fly100% sich durch die schlechten Anbindungen von China online nicht richtig entfalten kann. Hier bleibt natürlich zu hoffen dass diese Probleme mittelfristig gelöst werden können.
Was mich momentan besonders beeindruckt ist die Performance von HasuObs, der meiner Meinung nach besser spielt denn je. Vor allem die Flexibilität und Kreativität, die er in Köln auf den ESWC National Finals an den Tag gelegt hat, war beeindruckend. HasuObs stellt für mich, zusammen mit XLorD, momentan die deutsche Elite dar. Dass beide Undead spielen, und damit das Monopol der Humans auf deutsche Topgamer gebrochen ist, macht das Ganze natürlich umso erfreulicher.
Wo das Team in einem Jahr steht kann ich dagegen kaum beurteilen. Dazu ist der eSport viel zu schnelllebig und unberechenbar. Ich geh allerdings stark davon aus, dass mousesports auch in einem Jahr ein Team haben wird (unabhängig davon ob wir an der Stelle über ein WC3 oder ein SC2 Squad reden), das um die Spitze mitspielen wird.